Neubau der Stütz- und Lärmschutzwand am Edithawinkel: Optimierung der Verkehrsinfrastruktur in Magdeburg

Im Rahmen der Erweiterung des Magdeburger Straßenbahnnetzes und der Entlastung der Verkehrsachsen entsteht am Edithawinkel eine neue Stütz- und Lärmschutzwand mit dem Ziel, die vorhandene Bebauung und Anwohner*innen wirksam vor Lärm zu schützen, CO₂-Emissionen zu reduzieren und die städtische Mobilität durch eine zusätzliche Nord-Süd-Trasse zu stärken.
Das Bauprojekt ist in unmittelbarer Nähe zum Magdeburger Ring und direkt angrenzend an den Edithawinkel und die Albert-Vater-Straßenbrücke verortet. Der Magdeburger Ring ist eine bedeutende Verkehrsachse, die als Schnellstraße im Stadtgebiet von Magdeburg verläuft. Er bildet einen autobahnähnlich ausgebauten Innenstadtring und verbindet die nördlichen und südlichen Stadtteile miteinander.

Im Zuge einer Planfeststellung wurde zum Schutz der vorhandenen Bebauung im Bereich Edithawinkel die Errichtung einer Stütz- und Lärmschutzwand als Los 6.6 TBW03 und damit als Teil des 4. Bauabschnitts vom Damaschkeplatz bis zum Hermann-Bruse-Platz vorgesehen. Mit dem Ziel, die vorhandene Bebauung entlang der neuen Straßenbahntrasse wirksam vor Lärm zu schützen und so zur Erhöhung der Lebensqualität der Anwohner*innen beizutragen, ist die Lärmschutzwand ein integraler Bestandteil der Gesamtmaßnahme „2. Nord-Süd-Verbindung der Straßenbahn in Magdeburg“, die den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs fördert und als wesentlicher Baustein zur Entlastung des Verkehrs beiträgt und mit der wir betraut wurden.
Die Gesamtmaßnahme setzt auf die Erschließung einer weiteren Trasse, die Magdeburgs Straßenbahnnetz erweitern und noch mehr Stadtteile und dessen Anwohner*innen anbinden soll. Die zusätzliche Trasse verspricht nicht nur schnellere Verbindungen in die Innenstadt und weniger Umstiege, sondern auch eine spürbare Entlastung des Autoverkehrs: Täglich werden rund 5.000 zusätzliche Fahrten erwartet, wodurch jährlich über 1.000 Tonnen CO₂ eingespart werden können. Damit ist das Projekt ein bedeutender Schritt in Richtung nachhaltiger und leistungsfähiger Mobilität für Magdeburg.
Aufgrund der dichten Bebauung und der Nähe zu den Anwohner*innen wurde die Konstruktion mit besonderer Rücksicht auf städtebauliche Gegebenheiten umgesetzt, darunter die Errichtung der Stütz- und Lärmschutzwand, für die wir die LPh 1 bis 7 der Objekt- und Tragwerksplanung gemäß HOAI übernommen und zusätzlich die besondere Leistung der örtlichen Bauüberwachung in LPh 8 erbracht haben.

Maßgeschneiderte Konstruktionen für herausfordernde Raumordnung

Der Bauablauf war zu Beginn von einem Baustopp durch die Sperrkommission geprägt: Eine Tunnelbaustelle am Damaschkeplatz musste zunächst fertiggestellt werden, um ein ausuferndes Verkehrschaos zu vermeiden. Diese Verzögerung ermöglichte zugleich einen erweiterten zeitlichen Rahmen für die Ausführungsplanung und deren Abstimmung. Dank dieser sorgfältigen Planung verlief die anschließende Bauausführung reibungslos und ohne außergewöhnliche Vorkommnisse. Besondere Meilensteine waren dabei die Koordination mit anderen Bauprojekten und die Sicherstellung eines optimierten Bauablaufs trotz der anfänglichen Verzögerung.
Eine zentrale Herausforderung dieser Baumaßnahme lag in der komplexen Kreuzungssituation am Schnittpunkt von B71 und B1, wo die Nord-Süd-Achse des Magdeburger Rings die Ost-West-Verbindung der Albert-Vater-Straße überführt. Am Kreuzungspunkt gibt es bereits mehrere Auf- und Abfahrten, die den Verkehrsfluss lenken sollen – doch aufgrund des baulichen Entfalls der zweiten Richtungsfahrbahn Nord bleibt die Verkehrssituation angespannt. Die Stadt Magdeburg verfolgt daher schon lange das Ziel, durch eine zusätzliche Auffahrt den Verkehrsfluss zu entflechten und effizienter zu gestalten.
Im Rahmen der Maßnahme sollte die technische Machbarkeit überprüft werden. Hierzu war es erforderlich, die nur begrenzt zur Verfügung stehenden Flächen optimal zu nutzen, da der vorhandene Ringquerschnitt für eine zusätzliche Spur nicht ausreichend war. Aufgrund der engen räumlichen Gegebenheiten musste die Lärmschutzwand sehr schmal ausgeführt werden und zusätzlich die Anforderungen einer Stützwand übernehmen. Nur dadurch konnte ein ausreichender Querschnittsraum für den Straßenkörper erreicht werden.
Eine besondere technische Herausforderung bestand darin, dass das Bauwerk damit eine dreifache Funktion erfüllen musste: als Lärmschutzwand, Stützwand und Schutzeinrichtung. Aufgrund des begrenzten Platzes war es nicht möglich, eine klassische Schutzeinrichtung geometrisch umzusetzen. Um die hohen Lasten der Stützwand zu tragen, wurde die Wand auf einer tangierenden Bohrpfahlwand mit einem Durchmesser von 1,20 m gegründet. Diese Konstruktion sorgt für eine hohe Stabilität und Tragfähigkeit, da die einzelnen Bohrpfähle so gesetzt wurden, dass sie sich tangential berühren und gemeinsam eine widerstandsfähige Wand bilden. Der Durchmesser der Pfähle wurde bewusst großzügig gewählt, um den hohen statischen Anforderungen und Lasten gerecht zu werden und somit die notwendige Standsicherheit der Stützwand zu gewährleisten.
Um die Versorgungsleitungen, darunter zwei Gasleitungen und ein gemauerter Abwasserkanal, die direkt im Bauwerksbereich verliefen, zu schützen, wurden spezielle „Fensterlösungen“ entwickelt, die eine lastfreie Überspannung von bis zu sechs Metern ermöglichten. So konnte die Stützwand trotz der engen räumlichen Bedingungen und der zusätzlichen Funktionalitäten stabil und sicher umgesetzt werden.
Um den Lärmschutz sicherzustellen, wurden hochabsorbierende Leichtmetall-Paneele in der Wand integriert. Trotz ihres geringen Gewichts ermöglichen Leichtmetall-Paneele eine starke Schallabsorption und sind dabei stabil und witterungsbeständig. Ihre spezielle Struktur erlaubt es, Schallwellen effizient zu absorbieren oder abzuleiten, wodurch sie sich besonders für den Einsatz an stark befahrenen Straßen und in industriellen Bereichen eignen.

„Ursprungsgelände“ – vorher (24.03.2023)

„Fertige Wand“ – nachher (12.08.2024)

Besonderheit „Teilvergütete Bewehrung“:

Korrosionsbeständiger Stahl für höhere Langlebigkeit und Effizienz

Eine Besonderheit an diesem Projekt: Erstmals kam sowohl für uns als auch für die Stadt Magdeburg die sogenannte „teilvergütete Bewehrung“ zum Einsatz. Dabei wurde der Betonstahl „Top12“ der Firma SwissSteel verwendet, ein hochlegierter Stahl der Güte 1.4003 mit mindestens 12 % Chromanteil, der eine deutlich verbesserte Korrosionsbeständigkeit bietet. Dank dieser Eigenschaft ist Top12 etwa viermal widerstandsfähiger gegen Chloride als herkömmlicher Betonstahl, was die Lebensdauer von Bauwerken erheblich verlängern kann. Außerdem benötigt dieser Stahl bei Chlorid- oder CO₂-Belastung nur eine geringe Betondeckung, was ihn ideal für Konstruktionen mit begrenztem Platzangebot macht. Top12 lässt sich problemlos mit herkömmlichem Stahl kombinieren und wird in gängigen Bewehrungsdurchmessern angeboten und gebogen. Da die geplante Stützwand besonders Spritzwasser ausgesetzt ist, haben wir uns für diese langlebige Lösung entschieden. Die höheren Anschaffungskosten werden durch die voraussichtlich verlängerte Lebensdauer und reduzierten Wartungsaufwand langfristig kompensiert, was das Verfahren auch finanziell attraktiv macht.

Eine zukunftsweisende Maßnahme für Magdeburg

Das Projekt „2. Nord-Süd-Verbindung der Straßenbahn in Magdeburg“ stärkt nicht nur die städtische Infrastruktur, sondern verbessert auch die Lebensqualität der Anwohner*innen und reduziert den Autoverkehr. Mit einer nachhaltigen Bauweise und innovativen Materialien wird der Straßenbahnverkehr langfristig gesichert und der ökologische Fußabdruck der Stadt verringert. Das Bauvorhaben zeigt, wie eine zukunftsorientierte und nachhaltige Stadtplanung den urbanen Verkehr optimieren und zugleich Umweltschutzziele erreichen kann.